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Licht ins Dunkel der Facebook-Werbung

Ein simples Tool hilft, Transparenz im digitalen Wahlkampf herzustellen – jetzt ist es auch für Österreich erhältlich.

Es ist schwer, im digitalen Wahlkampf den Überblick zu behalten: Welche Partei verbreitet auf Facebook welche Botschaften? Erhalten ältere Bürger andere Werbe-Einblendungen als jüngere? Bekommen unterschiedliche Bürger unterschiedliche Versprechen eingeblendet? Wir wissen es nicht. Denn Parteien können sogenannte “Dark Posts” schalten, das sind Beiträge, die nur die beworbene Zielgruppe sieht. Und es gibt bisher keine Verpflichtung, digitale Werbung im Wahlkampf offenzulegen.

Doch jetzt gibt es ein neues Tool, das mehr Transparenz ermöglichen soll: Die Initiative “Who Targets Me”, die im britischen Wahlkampf startete, bietet ein neues Tool für österreichische Nutzer an. Hier kann man die Software installieren: Im Webbrowser (Chrome/Firefox) wird anonym erfasst, welche Werbeeinblendungen unterschiedliche Bürger auf Facebook angezeigt bekommen.

Mit einem Klick sieht jeder User, welche Parteien ihn schon auf Facebook umworben haben (beim Scrollen durch den Feed passt man ja nicht immer so genau auf). Anonymisiert werden diese Erkenntnisse auch gesammelt und Wissenschaftler und Journalisten können untersuchen, welche Trends im digitalen Wahlkampf sich abzeichnen.

Wichtig ist, dass möglichst viele Bürger diese Software installieren: Denn dann werden aussagekräftige Auswertungen möglich, welche Parteien wie auf Facebook werben und ob beispielsweise auch groß angelegtes Negative Campaigning stattfindet. In der britischen Parlamentswahl zeigte das Tool beispielsweise, wie die Konservativen gezielt negative Werbung schalteten und wie wichtig Facebook-Werbung im Wahlkampf schon geworden ist.

“Who Targets Me” ist von britischen Bürgern gestartet worden und überparteilich, in Deutschland ist das Online-Medium Buzzfeed Medienpartner, hierzulande kooperieren die Faktenchecker von “Fakt ist Fakt” sowie ich als Journalistin mit der Initiative. Wie Facebook-Werbung gegen politische Gegner eingesetzt werden kann, interessiert mich schon länger. Weitere Kooperationspartner aus Medien und Wissenschaft sind erwünscht – das Ziel ist, den digitalen Wahlkampf durchschaubar zu machen.

“Who Targets Me” erklärt: „Ein einzelner Nutzer könnte in diesem Wahlkampf komplett andere Wahlwerbung sehen als sein Nachbar oder Kollege am Arbeitsplatz. Aus demokratischer Sicht ist diese Entwicklung bedenklich.

Also: Es wäre großartig, wenn ihr dieses Tool installiert – und wir einen besseren Einblick in die digitalen Kampagnen der Nationalratswahl erhalten! Wenn jemand Fragen oder Vorschläge zur österreichischen Umsetzung hat, bin ich auch gerne für Feedback erreichbar.

 

Screenshots über facebook.com & WhoTargets.me

Categories: Digitales Politik
Ingrid Brodnig:

View Comments (11)

  • wollte es installieren, weil es mir sinnvoll und wichtig erscheint, bis zur Meldung: "Berechtigungen: - Alle Ihre Daten auf von Ihnen besuchten Websites lesen und ändern"

    was soll denn das?

    • Danke für den Hinweis! Ich hab das mittlerweile nachgefragt, der zuständige Programmierer erklärte mir: “In order for the extension to work it needs to be able to modify the structure of the page.” Das heißt, diese Einstellung ist notwendig, damit diese Extension für den Browser funktionieren kann. Das Gute an dem gesamten Tool ist, dass es Open Source ist – das heißt, jeder kann den Quellcode der Software anschauen. Hier findet man die Infos: https://github.com/WhoTargetsMe/Who-Targets-Me

  • Bei mir funktioniert das Aktivieren nicht, weil ich keine deutsche Psotleitzahl habe und das Tool mir Webungen zur Bundestagswahl analysieren will. Mach ich da was falsch?

    • Nein - das ist leider noch ein Fehler: In Firefox ist noch nicht die neueste Version des Tools online, deswegen funktionieren noch nicht die österreichischen Postleitzahlen. An sich ist die neueste Version schon eingereicht worden, hoffentlich wird es auch bald freigeschaltet - dann können auch österreichische Firefox-User das Tool nutzen (sollte bald so weit sein)

  • Das Add-on kann nicht aktiviert werden, weil es keine österreichische Postleitzahlen akzeptiert. Gute Idee, funktioniert aber nicht.

    • In Chrome klappt's, allerdings haben wir tatsächlich ein Problem bei Firefox: Die neueste Version des Tools ist zwar schon eingereicht, aber noch nicht für die User freigeschaltet. Deswegen kann man im Moment noch nicht die österreichischen Postleitzahlen eingeben. Tut mir leid, dass das etwas dauert. Ich hoffe, die neueste Variante des Tools ist bald auch für Firefox (und damit für österreichische User) erhältlich!

  • Neben BzzFeed ist in Deutschland auch T-Online.de Medienpartner von WHO Targets Me.

  • Liebe Ingrid,

    weißt Du, ob/wie man diese Software auf Safari (Mac) installieren kann? Bis jetzt sehe ich auf der Website nur, dass man sie für Chrome herunterladen kann.

    Vielen Dank!

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