Der feuchte Traum der Plattenfirmen





Die Japaner haben das Musikgeschäft neu erfunden – und zwar in der Person von Hatsune Miku. Die Sängerin füllt mit ihren Auftritten ganze Stadien. Doch Hatsune Miku ist kein Mensch, sondern nur ein Hologramm, das aussieht wie eine Comicfigur. Mit ihren großen Manga-Augen, den blauen Zöpfen und ihrem quietschigen Organ begeistert sie asiatische Konzertbesucher. Komplexe Projektorentechnik und eine Computerstimme ermöglichen die Auftritte. Ich fürchte, das wird ein internationaler Trend. Das Musikhologramm ist wohl der feuchte Traum der Plattenfirmen. Jetzt müssen sie keine Castingshows mehr veranstalten, um markttaugliche Popsternchen zu finden, sondern können diese per Knopfdruck kreieren. Das Beste daran: So ein Hologramm verlangt keine Tantiemen, wird vom Touren niemals müde und erlaubt sich keine Skandale im Hotelzimmer. Mit Sex, Drugs & Rock “n” Roll hat das zwar nichts mehr zu tun – aber hey, viele Geeks fahren sogar auf die geilen Zöpfe von Hatsune Miku ab.





Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 50/10 veröffentlicht


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