Skilehrer

Hansi heißt heute Zsolt

Nicht nur Wintersporttouristen kommen aus dem Ausland – auch die Skilehrer



Der Skikurs gehört zur Kindheitserinnerung dazu.
Noch Jahre später weiß man ganz genau, wie man als sogenanntes “Zwergerl” vor dem großen Skilift Angst hatte, wie man in der Hütte Kasnocken aß und wie die Skilehrerin die Schusshocke erklärte – freilich in ihrem urigen, einheimischen Dialekt.

Im Volksglauben mag der Skilehrer noch so ein Typ sein wie Hansi Hinterseer oder Armin Assinger
Aber Moment einmal! Heute hört sich das ganz anders an. Wer in den letzten Jahren auf die Piste ging, wird viele Skilehrer mit anderer Muttersprache gehört haben. Schusshocke und Stockeinsatz werden heute nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Tschechisch, Ungarisch oder Russisch, manchmal sogar auf Dänisch erklärt. Immer mehr Skilehrer stammen gar nicht aus Österreich. In Salzburg machen zum Beispiel jährlich 2000 Personen eine Aus- oder Weiterbildungen des Berufsskilehrerverbandes – 40 Prozent davon kommen aus dem Ausland.

Im Volksglauben mag der Skilehrer noch so ein Typ sein wie Hansi Hinterseer oder Armin Assinger: ein kerniger Einheimischer mit losem Mundwerk. In der Realität unterrichten immer häufiger Osteuropäer die Skianfänger. Aus Hansi und Armin wurden Zsolt und Filip.

Manche frappiert das. Die Kronen Zeitung schrieb unlängst in einer Titelgeschichte: “Jeder 3. Skilehrer ist Ausländer.” Der “Billig-Konkurrenz” fehle es an Ortskenntnis und Können, hieß es. Der Artikel vermittelte den Eindruck, gut bezahlte heimische Profis würden durch billige ausländische Nichtskönner ersetzt.

Was ist da dran? Man muss von Wien gar nicht weit fahren, um bei einem ausländischen Skilehrer nachzufragen. Daniel Kramár unterrichtet seit zehn Jahren am Zauberberg am Semmering. Der Vorwurf, er könne nicht richtig Ski fahren, kränkt den Slowaken gewaltig: “Ich kann sicher mit den österreichischen Skilehrern mithalten, auch mit den besseren”, sagt er. Kramár hat in der Slowakei Sport und Deutsch als Lehramt studiert und die Ausbildung zum Landesskilehrer absolviert. “Skifahren ist für mich mehr als ein Hobby”, sagt der 33-Jährige.

Es stimmt nicht, dass die ausländischen Skilehrer weniger können als die aus Österreich. Oft bringen sie eine bedeutende Zusatzqualifikation mit: Sprachkenntnisse. Kramár beherrscht nicht nur perfekt Deutsch, sondern auch Englisch, Tschechisch, Russisch und natürlich seine Muttersprache Slowakisch.

“Wir brauchen Leute wie den Herrn Kramár”, meint Dagmar Puschlmayer, die mit ihrem Mann die Skischule Semmering leitet. “Es gibt kaum einen österreicheichischen Skilehrer, der eine Ostsprache beherrscht. Die können im besten Fall neben Englisch noch Italienisch oder Französisch.”

Die Zahl der slawischsprachigen und ungarischen Wintertouristen hat in den letzten Jahren immens zugenommen. Auch gibt es Skiorte, etwa Wagrain in Salzburg, wo Dänen in Scharen anreisen. “Unsere Gäste ziehen es natürlich vor, dass sie in ihrer eigenen Sprache unterrichtet werden”, sagt Puschlmayer. Nicht zuletzt, weil es sehr oft Kinder sind.

Aber freilich geht es auch ums Geld. Gerade Osteuropäer arbeiten in den heimischen Bergen als Skilehrer, weil sie mehr als in ihrer Heimat verdienen – die Skischulen müssen österreichische und ausländische Skilehrer bei gleicher Qualifikation gleich bezahlen. “Mir geht es mittlerweile aber weniger ums Geld”, sagt Kramár. “Ich mag das Skigebiet hier, und ich brauche mit dem Auto nur zwei Stunden von meinem Zuhause bis zum Semmering.” Kurioses Detail: Würde der Lehrer in einem vergleichbaren slowakischen Skigebiet arbeiten, müsste er wesentlich weiter fahren, so nah ist der Semmering für den Slowaken.

Von einem Drittel Ausländer schreibt die Krone und beruft sich auf Salzburger Zahlen. Es stimmt, dass in Salzburg 2000 von 6000 Skilehrern aus anderen Nationen kommen. Ein wesentliches Detail ging in dem Artikel aber unter: Die Skischulen schimpfen keineswegs über ausländische Lehrer. Sie ärgern sich über ausländische Reisegruppen, die ihren eigenen Skilehrer mitnehmen – und ihnen so das Geschäft vermiesen. Im November hielt der Salzburger Berufsski- & Snowboardlehrerverband eine Pressekonferenz dazu ab und beklagte sich über diese ungewünschte Konkurrenz.

Die ausländischen Wintersportler hingegen werden dringend benötigt – zumindest, wenn Österreich weiterhin so viel Umsatz mit internationalen Gästen machen will. Aber wer weiß, vielleicht wird sich auch das Bild des Skilehrers in den nächsten Jahren ändern und osteuropäische Wintersportler zur Kindheitserinnerung werden – und statt Armin bekommt dann Zsolt seine eigene Quiz-show im Fernsehen.

 

Dieser Artikel ist im Falter 51-52/10 erschienen. Das obige Foto zeigt Skilehrer Kramár am Semmering

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