Ein legendäres Telefonat mit Strasser

Foto: Christian WindErnst Strasser verliert seine Verbündeten. Nun fordert ihn sogar sein Parteichef Josef Pröll zum Rücktritt auf. Jedes Mal, wenn Ernst Strasser schlechte Schlagzeilen macht, muss ich an ein legendäres Telefonat mit ihm denken.

Es war 2008, Strassers E-Mails waren gestohlen und in Medien veröffentlicht worden. Die Korrespondenz zeigt, wie Posten an Parteifreunde vergeben wurden. Der ehemalige Innenminister zeigte den Diebstahl an. Ich fragte ein paar Monate später für den Falter nach, ob man den E-Mail-Dieb schon geschnappt hatte. Strassers Antwort: “Diese Frage müssen Sie meinem Anwalt stellen. Ich gebe dazu keine Auskunft. Nein, wer mein Anwalt ist, das sage ich Ihnen auch nicht.”

Daraufhin legte der ÖVP-Politiker auf. Das Telefoninterview war kürzer als gedacht (wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob man dieses Abwürgen überhaupt als “Telefoninterview” bezeichnen kann). In meinen Augen zeigen solche Nicht-Antworten mancher Politiker, wie sehr sich diese nicht gegenüber der Öffentlichkeit verantworten wollen. Ich hoffe, dass die Journalisten diesmal bessere Antworten bekommen. Bisher schaut es jedenfalls nicht danach aus. Update: Strasser gibt Rücktritt bekannt. Gegenüber der APA sagt er: “Ich habe mich zu dem Schritt entschlossen, weil es in Österreich eine Kampagne gegen mich gegeben hat.”

 

Ab nun werden in diesem Blog auch Beiträge veröffentlicht, die nicht in Printmedien erschienen sind. Oftmals wird es sich wohl – so wie in diesem Fall – um kleine Anekdoten, zusätzliche Anmerkungen zur Berichterstattung oder Betrachtungen auf der Meta-Ebene gehen. Foto: Christian Wind

Kommentare

  1. Alles was noch nicht in facebook und/oder twitter zu lesen ist. 🙂

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